Mittwoch, 12. Januar 2011

Branding im Wintersporttourismus

Blogeintrag über meinen Social Media Selbstversuch am Klippitztörl.

Wie letztes Jahr, verbrachte ich Weihnachten und Neujahr mit guten Freunden am Klippitztörl. Einem kleinen Skigebiet im Nordosten von Kärnten. 8 Tage Hüttenzauber im Almhüttendorf. Nichts ungewöhnliches. Stimmt. Ich war aber in geheimer Mission und in eigenem Auftrag unterwegs. Meine Mission: "emotional context branding." Verzeihen Sie mir dieses Unwort. Mir hat es auch nicht gefallen, aber ich brauchte einen Schlachtruf. Ich wollte herausfinden, ob es möglich ist, ohne großem Budget und mit Hilfe verschiedener Social Media Kanäle ein kleine Marke etwas aufzuladen.

Ich kontaktierte den Geschäftsführer der Klippitztörl Tourismusgesellschaft und erzählte ihm von meinem Vorhaben. Nach anfänglicher Zurückhaltung konnte ich ihn für einen kleinen Deal gewinnen. Ich versprach im Gegenzug ein paar Tage lang live vor Ort und vom Berg zu feeden. Da das Klippitztörl keinen Twitter Account hatte, beschränkte sich meine Tätigkeit auf Facebook. Mein Vorhaben startete mit 310 Fans.

Eines noch: Einen Versuch Schlüsselwörter zu bekommen (also Begriffe - das Wort Markenwerte will ich hier gar nicht in den Mund nehmen - rund um die ich meine Postings aufbauen wollte) gab ich schnell auf. Ich musste es mit Intuition probieren. Da ich schon das 2. Mal dort war, habe ich mir halt selbst zusammengetragen über welche Inhalte ich hier wohl branding betreiben könnte. Ich konzentierte mich auf das Almhüttendorf (die ganz besonderen Selbstversorgerhütten mitten im Skigebiet) und auf das Schneeschuhwandern (Lavanttaler Schneeschuhcamp). Drumherum streute ich andere Blumen - je nachdem. Wetter, Schneeverhältnisse, Hütten und Allgemeines.

Es vergingen die Tage und nach ein paar von diesen muste ich feststellen, dass mir der "Stoff" langsam ausging. Nicht dass ich mit meinem Latein am Ende war. Es war halt schwierig, aus dem Nichts Inhalte (content) zu finden. Mein Bauchgefühl gabe mir da und dort die fehlenden Inputs.

Nach ca. 8 Tagen war die Fangemeinde auf 380 Personen angewachsen. Ob das jetzt gut oder schlecht ist kann ich nicht beurteilen. Aber ein Zuwachs von über 20 Prozent kann sich schon sehen lassen. Auch weil eine Fan-Akquise nicht direkt über die Postings erfolgte (Meldungen wie "bitte weitersagen" oder "empfehlen Sie uns weiter" gab es keine). Ich nutzte einfach nur meinen privaten Account (wegen der besseren Möglichkeit direkt zu interagieren) und eine Fan-Account (@snwocialmedia). Wie hoch die Impressions waren, weiß ich leider auch nicht. Zu den Facebook Postings kamen noch ein paar Videos dazu, eine Sammlung von Bildern (flickr) und ein Blogtagebuch über die 8 Tage am Berg.

Was ich aus dem Selbstversuch mitnehme (speziell für den Wintersporttourismus):

_Ja. Emotional context branding ist machbar. Wenn es gelingt über relevanten content den context zur Marke herzustellen. Skifahren ist nicht Skifahren. Klippitztörl ist nicht Ischgl. Das muss die Fangemeinde spüren und wenn sie sich angesprochen fühlt, dann wird sie auch vorbeischauen.

_Aus Nichts wird Nichts. Man muss sich schon mit der Marke beschäftigt haben. Für was steht sie? Was kann Sie? Was unterscheidet die Marke von den anderen? Wie soll die Marke wargenommen werden?

Natürlich habe ich gleichzeitig geschaut, was andere Wintersportregionen auf Facebook alles so treiben. Und ich musste Homogenität feststellen. Meldungen wie "die Sonne scheint, kommen sie auf den Berg" waren die Regel. (Ein paar gute Fanseiten gibt es auch - keine Sorge!)

Und wenn ich jetzt Strategie schreibe, werde ich wohl gesteinigt.

_Interaktion. Ohne dieser geht es nicht. Während meines Selbstversuches hat diese nicht stattgefunden. Ich konnte meine Einträge ja nicht selbst auch noch kommentieren. Ich habe immer wieder versucht den Ball ins Spiel zu bringen. Die Verantworltichen haben es leider verabsäumt zu kontern. Ich hatte teilweise das Gefühl die Fangemeinde vollzuspamen.  

_Godies. Aktion. Applikationen. Emotional context branding braucht etwas Dynamik, Bewegung und Lockmittel. Damit das branding nicht nur Theorie bleibt. Emotionen auslösen und nicht nur abbilden oder posten. Nur wer Emotionen miterlebt und spürt, wird diese speichern und weitergeben. Ein strahlend blauer Himmel, das Kaminfeuer in der Hütte, ein kittschig romantischer Sonnenuntergang - ein Prospekt kann so was nicht wirklich transportieren. Es wäre super gewesen einen Sonnenuntergang Flashmob zu organiseren. Ein spontanes Picknick für alle, die sich Zeit genommen hätten. Aber das wäre wieder eine ganz andere Geschichte geworden.

Mir hat der Selbstversuch gefallen, dabei habeich mir wohl selbst die Marke Klippitztörl ins Herz gebrandet.

Ach ja, bevor ich es vergesse. Hier ein Bild, damit Sie sehen, dass es am Klippitzörl wirklich die genialsten Sonnenuntergänge gibt.

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